Minijobs: Niedriglohnfalle für Frauen

Minijobs als Brücke in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung ist so einer der Mythen der entfesselten Leistungsgesellschaft. Die Realität ist eine andere. Minijob und Frauen

Anders als zum Beispiel Leiharbeitsverhältnisse entwickeln geringfügige Beschäftigungsverhältnisse durchaus einen sogenannten Klebeeffekt, allerdings einen gegenteiligen. Frauen machen vor allem die Erfahrung, dass sie bei dauerhafter Tätigkeit im Minijob nicht mehr als qualifizierte Fachkraft gelten. Für weitaus die meisten der gut ausgebildeten Minijobberinnen wird die geringfügige Beschäftigung zur Dauererwerbsform.
Die Mehrzahl der Minijobber sind Frauen, im gewerblichen Zahl liegt ihre Zahl bundesweit bei 60,8 Prozent, in Privathaushalten bei 91,1 Prozent. (Quelle: Minijob-Zentrale)
In Freiburg arbeiten 2014 insgesamt 22.232 ausschließlich in Minijobs und 10.269 Menschen in einem Nebenjob zum Hauptberuf.
13.187 der Minijobberinnen sind Frauen, das sind 59% aller atypisch Beschäftigten in Freiburg. Nimmt man die MinijobberInnen im Nebenjob hinzu bleibt das Verhältnis ungefähr gleich.
Bei Frauen, die sich in einem Nebenjob etwas hinzu verdienen ist der Grund meistens die Existenzsicherung. Aufgrund niedrigerer Stundenlöhne in ihrer Haupttätigkeit mit einem Durchschnittsstundenlohn von 14,47 Euro brutto im Vergleich zu den Männer mit 18,42 Euro sind sie auf einen Nebenjob angewiesen.
Die Autorinnen der Hans-Böckler-Studie ermittelten, dass auch in Regionen wie Baden-Württemberg, in denen fast „Vollbeschäftigung herrscht“, die Zahl der Minijobs gestiegen ist, was die Vermutung nahelegt, dass auch sozialversicherungspflichtige Überstunden über Minijobs abgerechnet werden.
Insgesamt stieg der Beschäftigten mit einem Mini-Zweitjob von 2004 bis 2013 von 1,66 auf 2,59 Millionen.

Besonders betroffene Branchen
Typisch ist auch die Branchenverteilung der geringfügig beschäftigten Frauen. Besonders auffällig ist sie im Gesundheits- und Sozialwesen sowie im Bildungssektor. Dabei übten viele Minijobberinnen den gleichen Beruf in Haupt- und Nebenbeschäftigung aus.
Die Autorinnen mutmaßen, das Arbeitszeitvolumen werde in diesen Branchen „beschleunigt“ in sozialversicherungspflichtige und geringfügige Beschäftigung aufgespalten – für die Betroffenen werde es immer schwieriger, mit einem Job ein existenzsicherndes Einkommen zu erzielen.
Das Modell Minijob spricht vor allem verheiratete Frauen an. Aufgrund eines schnell wirkenden „Klebeeffekts“, der sich negativ auf die Karrierechancen auswirkt, gelten Minijobberinnen bereits nach kurzer Zeit nicht mehr als qualifizierte Fachkräfte.
Im Anschluss an den Minijob ist die Mehrheit der Minijobberinnen arbeitslos, in Umschulungen oder steigt aus dem Arbeitsmarkt aus. Die Minijobberinnen werden also regelrecht für kurzzeitige Beschäftigungsspitzen „verheizt“. Insofern haben Minijobs nicht die Funktion einer Brücke in ein reguläres und existenzsicherndes Beschäftigungsverhältnis.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.