Jung und Billig, aber auch Alt und Arm

Einerseits führt der boomende Minijob-Sektor zu Altersarmut: „Aus Niedriglöhnen werden Niedrigrenten. Wir erkaufen uns das sogenannte Jobwunder mit einer hohen Zahl künftiger Rentner, die in Altersarmut leben“, so Ulrike Mascher vom VdK. Viele JobberInnen lassen sich auch von den Rentenversicherungsbeiträge befreien. Die Löhne sind auch so gering bemessen, dass sich mit den RV-Beiträgen keine nennenswerte Rente, die an die Grundsicherung heranreichen würde, ansparen lässt. Geschweige denn, dass vom Minilohn genug übrig bleiben würde zum riestern, zumal die Riesterrente auf die Grundsicherung angerechnet wird. Sie wird also von dieser abgezogen.

Andererseits ist der Minijobboom bereits jetzt ein deutliches Anzeichen für die zunehmende Alterarmut im Land. So sind nach dem letzten Quartalsbericht der Minijob-Zentrale die meisten Minijobber mit 1,44 Mio. der Altersgruppe der über 60-Jährigen zugeordnet. Von den 6.84 Millionen geringfügig Beschäftigten gehören damit 21.1% dieser Altersgruppe an, die mit Minijobs ihre zu geringe Rente aufbessern. Verglichen mit September 2013 stieg die Beschäftigtenzahl in den Altersgruppen der ab 60-Jährigen um +4,3 Prozent, und zum Vorquartal immer noch um 1,8%.
Dazu kommt, dass viele ältere Menschen ihr Einkommen im Zeitungszustellergewerbe aufbessern, also einer Branche, bei der aufgrund der Lobbyarbeit der Verleger der Mindestlohn erst schrittweise bis 2017 eingeführt wird.
Das Mindestentgelt von 8,50 EUR schrittweise gilt erst ab dem Jahr 2017 uneingeschränkt. Verleger dürfen demnach für Mini-Jobber im ersten Jahr 25 Prozent unter 8,50 EUR/Stunde zahlen, im zweiten Jahr werden es noch 15 Prozent weniger sein. Von 2017 an gilt dann auch hier der Mindestlohn, dies unter Beachtung etwaig bis dahin beschlossener Anhebungen des Mindestentgelts.

Auch im „Musterländle“ vorgeschobener sozialer Behaglichkeit sieht es nicht besser aus für ältere MinijobberInnen. Viele malochen bis in den Tod. 2012 arbeiteten 114.819 Menschen nach Erreichen der alten Rentengrenze noch als MinijobberInnen. Bald jeder sechste Minijobber ist ein/e Rentner/in.
„In den letzten 10 Jahren explodierten – Dank der rotgrünen Schröder/Fischer Verarmungspolitik – die Minijobs der altersarmen RentnerInnen förmlich um 43 % (Zunahme der Anzahl der RentnerInnen 19 %). Das es sich erkennbar um Armut handelt, ergibt sich indirekt auch aus der Anzahl der über 70 -Jährigen, die nur durch den Mini-Job über die Runden kommen: Plus 61.500 beinah doppelt soviel wie vor den grün-roten Hartz-“Reformen”. Baden- Württemberg ist auch der absolute wie relative Leader der altersarmen Jobberinnen!“ (Quelle: rdl)

Während allerdings von Sozialverbänden das Risiko der Altersarmut erkannt wird, übt sich das Arbeitsministerium unter Andrea Nahles in Statistik-Klitterung: Armut soll lediglich neu definiert werden…

*Update: In den Materialien ist dazu ein Beitrag zum Thema „Alter und Minijob“ von labournet erschienen mit Links zur Tagesschau und zum Neuen Deutschland

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